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Szintigraphie

Szintigraphie bei Hunden und Katzen

 

Komplizierte und versteckte Lahmheitsursachen sind seit jeher eine große Herausforderung für Tierärzte. Oftmals kann an der betroffenen Gliedmaße keine Schwellung oder vermehrte Wärme festgestellt werden. Auch durch Beugen und Strecken wird häufig keine Schmerzreaktion ausgelöst.
Es werden dann in der Regel Röntgenaufnahmen angefertigt welche wertvolle Informationen über die Morphologie des Knochens liefern. Im Vergleich zur Szintigraphie muß man sich die Röntgenaufnahme wie eine Fotografie vom Knochen vorstellen. Der Knochen wird zwar sehr gut abgebildet und in vielen Fällen können auch von der Norm abweichende Veränderungen festgestellt werden, aber die Fotografie sagt gerade bei kleinen Befunden wenig darüber aus ob es sich um eine lahmheitsrelevante oder nicht lahmheitsauslösende Veränderung handelt.
Bei der Szinigraphie wird genau umgekehrt nicht der Körper passiv vom Röntgenstrahl durchstrahlt, sondern der Körper strahlt selbst und liefert so ein aktuelles Bild über die Aktivität im Knochenskelett.
Die Szintigraphie ist dementsprechend eine Knochenstoffwechseluntersuchung und sagt viel darüber aus wo sich eine lahmheitsauslösende Veränderung befindet.

Ist die Szintigraphie wirklich neu?
Die Szintigraphie wird schon seit Jahrzehnten in der Humanmedizin durchgeführt. Zum größten Teil um die Aktivität und das Ausmaß der Schilddrüse zu bestimmen, sowie im Skelett Schmerzpunkte zu lokalisieren und um bei Tumorpatienten Aufschluß zu bekommen ob ein Tumor in den Knochen streut. In der Pferdemedizin spielen Lahmheiten eine große Rolle. Dort wird ebenfalls schon seit über 20 Jahren die Szintigraphie durchgeführt. Einen Schub hat die Szintigraphie beim Pferd dadurch erfahren, dass es seit einigen Jahren Geräte auf dem Markt gibt die mobil sind. Wir führen seit Jahren in unserer Pferdeklinik Szintigraphien beim Pferd durch und bieten diese Untersuchung auch Kleintierpraxen an. Unsere Kleintierpatienten sind zum großen Teil von der Freien Universität Berlin überwiesen, wo man sich diese Methode oft zu Nutze macht.

Wie funktioniert die Szintigraphie?
Der Knochen unterliegt einem ständigen Umbauprozess. Für diesen sind Knochenbildungs- und Knochenfresszellen verantwortlich.

Die Aktivität der Knochenbildungszellen wird folgendermaßen sichtbar gemacht:
Man nimmt eine leicht radioaktive Substanz (Technecium) die schnell zerfällt und koppelt sie im Labor an ein Polyphosphat. Diese Substanz wird dem Patienten injiziert.

Da die Knochenbildungszellen Polyphosphat lieben, holen sie das daran gebundene Technecium in den Knochen. Da Technecium ein radioaktiver Gammastrahler ist, wird mit Hilfe einer Gammakamera die aus dem Skelett kommende Strahlung aufgezeichnet.

An Stellen an denen sich viel Knochen befindet , kommt viel Strahlung am Messkopf an und umgekehrt. Bei der Auswertung der Bilder sucht man nach Punkten im Skelett an denen es unverhältnismäßig stark strahlt. Solche Stellen erhöhter Aktivität bezeichnet man als Hot Spots.

Da jedes Tier einen unterschiedlichen Knochenstoffwechsel hat wird das gesunde Bein ebenfalls untersucht, so dass man ein Referenzbein hat um auch kleinste Abweichungen festzustellen.

Wie ist der Ablauf der Untersuchung?
Nach der Injektion des schwach radioakiven Techneciums muss man aufgrund der Verteilungs- und Stoffwechselprozesse im Körper etwa drei Stunden warten, bevor das Tier auf einer Liege bzw auf dem Messkopf positioniert wird. Für jedes einzelne Bild muß mit einer Messzeit von ein bis zwei Minuten gerechnet werden, wobei es sich zur Vermeidung störender Bewegungen empfiehlt, eine leichte Narkose zu verabreichen. Die Aufnahmen sind in der Regel nach einer halben Stunde abgeschlossen.

Welchen Nutzen bietet die Szintigraphie von Kleintieren?
So vielfältig die Ursachen von Lahmheitserscheinungen sind, so vielfältig sind die Behandlungsmethoden. Entsprechend hoch sind die Anforderungen, die an die Differentialdiagnostik gestellt werden. Vor dem Beginn einer Therapie muß eine sichere Diagnose gestellt werden, denn fehlende Informationen können Leiden des Tieres unnötig verlängern oder gar verstärken. Die angemessene Anwendung systemischer oder lokaler Therapieverfahren setzt ein umfassendes Bild über die Makro- und Mikropathologie von Krankheitserscheinungen voraus. Dazu gehört auch der Gebrauch der Möglichkeit, die die Szintigraphie bietet. Insbesondere bei Krankheitsbildern, die entzündliche Prozesse beinhalten (z.B. Arthritis, Arthrosen, OCD, Dysplasien, Bandscheibenvorfällen, Tumoren), liefert die Methode wertvolle Anhaltspunkte, die eine frühzeitige und zielgerichtete Diagnose und Therapieauswahl erleichtern.

Text mit freundlicher Genehmigung von:

http://www.pferdeklinik-dallgow.de/kleintiere.htm